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ACS Pressemeldung 09.09.2015

In den letzten Jahren haben die Forscher festgestellt, dass viele Produkte, einschließlich Pharmazeutika, dort lande, wo sie eigentlich nichthingehören – nämlich in unserem Trinkwasser. Ein Forscherteam der Leuphana Universität Lüneburg hat jetzt im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts „NanoPHARM" eine Methode für die Herstellung von Medikamenten entwickelt, mit der sich diese in ungefährliche Komponenten zersetzen bevor sie unser Trinkwasser erreichen. Die Open Access Veröffentlichung ist in der Fachzeitschrift „Environmental Science & Technology" des ACS Verlags erschienen.

 

Eine breite Palette von Wirkstoffen aus Pflanzenschutzmitteln, Shampoos, Cremes, Kosmetika, Desinfektionsmittel und Medikamente gelangen nach ihrer Nutzung in das Abwassersystem oder in Flüsse bzw. Bäche und letztlich dann in unser Leitungswasser. Bedeutendes Problem für Wissenschaftler und Öffentlichkeit ist die Tatsache, dass die Auswirkungen dieser Substanzen auf die Tierwelt und die menschliche Gesundheit bislang noch nicht final geklärt sind. Geringe Mengen konnten bereits in Bächen und Flüssen in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern von Forschern nachgewiesen werden.

Um das spezifische Problem von Medikamenten in der Umwelt anzugehen, haben Prof. Klaus Kümmerer und Kollegen bestehende Arzneimittel so verändert, so dass diese sich nach Durchlaufen sowohl des Körpers als auch der Abwasseraufbereitungsanlagen sich automatisch abbauen, da diese nicht in der Lage sind, alle Arten von Verunreinigungen aus dem Abwasser zu entfernen.

 

Als Modell wählten die Forscher das häufig eingesetzte Medikament Propranolol, einem Betablocker für die Therapie von Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Dieses sehr stabile Medikament konnte bereits im Abwasser gefunden werden. Kleine Veränderungen in der molekularen Struktur ermöglichten einen wesentlich erleichterten Abbau der Substanz bei gleichbleibender medizinischer Effektivität im Vergleich zur Ausgangsform. Zwar sind noch weitere Untersuchungen sind erforderlich, aber erste Tests zeigen, dass sowohl der angepasste Wirkstoff als auch seine Abbauprodukte nicht-toxisch sind. Die Forscher vermuten, dass ein ähnlicher Ansatz auch für andere Klassen von Arzneimitteln und Chemikalien verwendet werden könnte, um diese umweltfreundlicher zu machen.

 

 

 

Original Publikation (Open Access)

Rastogi T., Leder C., Kummerer K. (2015). Re-Designing of Existing Pharmaceuticals for Environmental Biodegradability: A Tiered Approach with beta-Blocker Propranolol as an Example. Environ Sci Technol. DOI: 10.1021/acs.est.5b03051

 

 

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